Der Grundkurs

Der gestaltpädagogische Grundkurs ist mit 30 Tagen – 6-10 Kursteile im Verlauf von etwa 2 Jahren – eine sehr intensive Form der Fortbildung. Die Teilnehmenden erwerben eine Grundqualifikation zur Gestaltpädagogin / zum Gestaltpädagogen unter der Anleitung von ausgebildeten Gestalttrainerinnen und -trainern. Auf der Grundlage der biblischen Botschaft und der Prinzipien der Gestalttheorie machen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Hilfe von kreativen Methoden und der Gruppe persönlich bedeutsame oder gar heilende Erfahrungen. Aktuelle Grundkursangebote hier klicken.


Die Inhalte des Grundkurses:

  1. Entwicklung des Glaubens
    Gottesbilder und Lebensgeschichte – Biblische Gestalten als Hoffnungsbilder – Verwandlungsprozesse in Psalmen und Heilungsgeschichten – Umgang mit Schuld und Sünde – Schritte des Verzeihens – Einübung ins meditative Gebet in Lob und Dank – Erfahrung von Gemeinde

  2. Selbsterfahrung
    Individuelle Lebensgeschichte und Familienstruktur – Auseinandersetzung mit Elternbildern und Elternbotschaften – Reflexion der Erfahrungen in der Ursprungsfamilie – Nachreifen von Persönlichkeitsanteilen – Persönlichkeitsbildung – Förderung der Kreativität (Ressourcenarbeit) – Identität und Sexualität in ihrer Wechselwirkung als kreative Aufgabe – Umgang mit Beziehungen – Gruppenerfahrung und Reflexion gruppendynamischer Prozesse – Konfliktstrategien – Konfliktlösungen.

  3. Gestaltpädagogische Fähigkeiten und Fertigkeiten
    Theorie, Praxis und Methodik der integrativen Gestaltpädagogik – integrative Arbeit im Hinblick auf pädagogische und didaktische Ansätze – Grundlagen einer heilenden Seelsorge und Beratung – Begleitung in Krisensituationen und lösungsorientiertes Handeln. Die Arbeit an diesen Themen in den Kursen verbindet sich nahtlos mit Gebet, Psalmensingen mit Antiphonen in leichter mehrstimmiger Form, meditativem Tanz und Gottesdienst.

Eine kompakte Übersicht über die Kurselemente des Grundkurses liegt vor in dem Topos-Taschenbuch 387:
Albert Höfer, Von der Hoffnung der Liebenden, S. 126 – 137. Es wird aufgelistet, welche Persönlichkeitsaspekte angesprochen werden, welche religiös/biblischen Inhalte ins Spiel kommen und mit welchen Methoden gearbeitet wird.

Der Grundkurs ist die Basis der gestaltpädagogischen Arbeit. Ein Teilnehmer beschreibt die „Nachwirkungen“ seines Grundkurses folgendermaßen:

„Wenn ich auf den Grundkurs in Gestaltpädagogik zurückblicke, dann bin ich der Meinung, dass er mich in meiner persönlichen Entwicklung stark beeinflusst hat. Ich habe das Gefühl, dass ich in meiner Persönlichkeit gestärkt worden bin. Wenn ich es als Bild ausdrücken darf, möchte ich sagen, dass meine Wurzeln tiefer und kräftiger, mein Stand sicherer und meine Persönlichkeit insgesamt gefestigt wurde. Ich traue mir heute sicher mehr zu, als ich das vor dem Kurs getan habe. Außerdem bin ich erfüllt von einem Gefühl der Dankbarkeit. Dankbarkeit empfinde ich u. a. besonders im Blick auf die Entwicklung, welche die Beziehung zu meinen Eltern erfahren hat. Ich kann neben dem Schmerz, den ich immer wieder empfinde, heute auch viel mehr die positiven, heilenden und stärkenden Seiten in dieser Beziehung wahrnehmen, manchmal sogar mit einem Schmunzeln. Besonders dankbar bin ich auch dafür, dass ich durch den Kurs auf neue Art gelernt habe, meine Partnerschaft als Kraftquelle zu sehen und dass ich mir auch weitere Quellen der Kraft wie die Musik wieder erschließen konnte. Insgesamt hat mich der Kurs auf jeden Fall in vielerlei Hinsicht beflügelt und neue Energien freigesetzt. Die mehrfache Äußerung meiner Partnerin „Du bist so lebendig, der Kurs hat dir ganz offensichtlich gut getan" mag dies illustrieren.
Tief bewegt hat mich die Begegnung mit meiner eigenen Persönlichkeitsstruktur und meiner Schattenseite. Die Reaktionen der Kursteilnehmer haben mir einerseits die Augen für meinen Schatten geöffnet; andererseits wurde ich auch dafür sensibilisiert, welche Wirkung ich durch mein Verhalten bei Schülern provozieren kann. Eine andere Folge des Kurses wirkt sich besonders in der Schule aus. Ich habe wieder enormen Spaß daran bekommen mit Menschen zu arbeiten. Früher war ich viel mehr auf meine eigenen Gedanken, Sichtweisen und Gefühle fixiert und dementsprechend - gerade Schülern gegenüber - immer wieder auch recht verständnislos. Heute nehme ich die große Vielfalt der menschlichen Charaktere und Lebensentwürfe mit erheblich mehr Toleranz wahr, erfahre sie im allgemeinen sogar als Bereicherung und kann auch das jeweils Gute in der entsprechenden Situation sehen. Ich möchte behaupten, dass sich mein Selbstverständnis als Lehrer eindeutig gewandelt hat. War in der Vergangenheit der Akzent doch stark auf dem „Wissensvermittler", der meinte etwas Interessantes anzubieten zu haben, so habe ich heute verstärkt das Gefühl, dass meine Rolle als Begleiter der Schüler, der ihnen helfen soll, damit ihre je eigene Persönlichkeitsentwicklung möglichst optimal verläuft, inzwischen breiteren Raum einnimmt. Etwas plakativ ausgedrückt: Die Beziehungsorientierung hat zugenommen und die Stofforientierung hat abgenommen. Ich möchte die Erfahrungen des Gestaltpädagogik Grundkurses auf keinen Fall missen und kann ihn allen interessierten Kolleginnen und Kollegen nur wärmstens empfehlen.“


Die Arbeit an der Person der Teilnehmenden steht also im Mittelpunkt. Persönliches Wachstum soll ermöglicht werden, indem die eigenen Grenzen und Schattenseiten wahrgenommen, wachstumshemmende Blockierungen aufgedeckt und beseitigt und die eigenen Ressourcen und kreativen Kräfte erschlossen werden. So sollen „offene Gestalten“ – gemeint sind unabgeschlossene Persönlichkeitsentwicklungen und nicht gelungene Lebensprozesse – geschlossen werden. Gestaltarbeit beinhaltet also auch „heilsame“ Hilfe und christliche Lebensberatung mit dem Ziel: Umgang mit dem geschädigten Leben; Bewältigung des behinderten Lebens und Beistand in Krisen und Konflikten; Orientierung in Sinnfindung und Sinngebung des Lebens (vgl. IIGS).

Die Arbeit an der Person ist bei der christlich orientierten Gestaltpädagogik integriert in den biblischen Ansatz. Die großen biblischen Zyklen und Bilder bilden das Material und die Orientierung für die Fragen im eigenen Leben. Die Verknüpfung von Persönlichkeitsaspekten und biblischen/religiösen Fragestellungen ist konstitutiv: „Wir erwarten die Heilung nicht von unseren Künsten allein, sondern von der Heilkraft der Psalmen und von den Entdämonisierungen und Heilungen Jesu...“ (Albert Höfer).

Entscheidende Bedeutung hat die Lerngruppe sowohl in Gespräch und Austausch zur eigenen Person als auch bei Gebet, Psalmensingen, Feier der Liturgie und beim meditativen Tanz. Hier sind wir bei einem nicht zu übersehenden Proprium dieser Kurse: Religiöse Vollzüge werden praktiziert.

Literaturhinweis: IRP - Religionspädagogische Hefte, April 2004:
Christlich orientierte Gestaltpädagogik. Mit Beiträgen von
Albert Höfer, Alois Müller, Hans Schuh, dort weitere Literaturhinweise.
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