Der Beitrag der Gestaltpädagogik

Das persönlich bedeutsame Lernen der Gestaltpädagogik bezieht die Phänomene der Wahrnehmung und des gegenwärtigen und vergangenen Erlebens in den schulischen Lernprozess mit ein. Ich bin als Person – ob SchülerIn oder LehrerIn – mit meiner ganzen Persönlichkeit willkommen. Ich erfahre achtsamen Umgang und lerne Awareness – eine absichtslose, aktive, innere Haltung der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. So wird die Begegnung der SchülerInnen und LehrerInnen – jeweils unter- und mit einander – in diesem Geist (vgl. Martin Buber: Dialogisches Prinzip) zur Grundlage von erfolgreichen Lernprozessen. Jede/r wird mit seinen Bedürfnissen und Gefühlen ernst genommen.

Ergebnisse der Gehirnforschung bestätigen die hohe Wirksamkeit dieser reformpädagogischen Ansätze. SchülerInnen und LehrerInnen erfahren und gewinnen intensive, erfüllende Beziehungen zu den Menschen, zu den Lerninhalten und zu der gestalteten Lernumgebung, weil sie sich darin wiederfinden mit ihren Grundgefühlen, Bedürfnissen und Lebenswirklichkeiten. Alles, was sie lernen, hat etwas mit ihnen zu tun. Kollegien verstehen sich als soziale, pädagogische und (im weitesten Sinne) spirituelle Lerngemeinschaften. Sie leben und arbeiten in reflektierten, moderierten Prozessen.

Schulentwicklung ist zu allererst Persönlichkeitsentwicklung. Das relativiert viele seit über hundert Jahren nahezu unverändert festgeschriebene Parameter bisheriger Schule und leitet einen Wandel der Schulkultur ein. Dazu können die Gestaltpädagoginnen und -pädagogen vor Ort zur pädagogischen Grundlegung und Verfassung neuer Schulformen – wie beispielsweise der Gemeinschaftsschule – hilfreiche und entscheidende Impulse geben und kompetent und nachhaltig zur Integration beitragen: Lernen in zuverlässigen und tiefen Beziehungen, in übergreifenden Zusammenhängen und in integrativen Gruppen, entwickeln von Phantasie und Kreativität, gegenseitige Wertschätzung und Stärkung, heilsamer Umgang mit Verletzungen und Kränkungen, deren Ursachen oft auch in den Familiensystemen und Familienschicksalen liegen, tiefgreifendes und professionelles Aufarbeiten von Konflikten.

Das hier Beschriebene kann mit seinen Prinzipien und Methoden auch in anderen Bereichen inspirieren. Menschen in Seelsorge, kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Gruppen oder im weiten Bereich der industriellen Arbeitswelt können lernen, diese Schätze für sich als Person und Gruppe zu entdecken.